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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:hbz:467-3517
URL: http://dokumentix.ub.uni-siegen.de/opus/volltexte/2008/351/


Vom BLISS-Symbol zur alphabetischen Schrift : Entwicklung und Erprobung eines vorschulischen Förderansatzes zur Prävention von Lernschwierigkeiten beim Schriftspracherwerb

Bliss - a conventionalized graphic symbol system bridging the gap between figurative drawing and traditional orthography

Franzkowiak, Thomas

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SWD-Schlagwörter: Schriftsprache , Prävention , Kindergarten , Schulanfang
Freie Schlagwörter (Deutsch): Schriftspracherwerb , Lernschwierigkeiten
Freie Schlagwörter (Englisch): early literacy , preschool , prevention
Institut: (Ohne Institutsbezeichnung)
Fakultät: Fachbereich 2, Erziehungswissenschaft und Psychologie
DDC-Sachgruppe: Erziehung, Schul- und Bildungswesen
GHBS-Notation: IEM = Vorschulischer Unterricht
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 18.05.2008
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 16.06.2008
Kurzfassung auf Deutsch: Viele Kinder haben beim Lesen- und Schreibenlernen in der Grundschule nachhaltige Schwierigkeiten. Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses in den letzten Jahren standen phonologische Leistungen wie Lautanalyse und -synthese als zentrale Voraussetzung für den Lernerfolg im Anfangsunterricht. Vernachlässigt wurden hingegen Erfahrungen, die Kinder mit der Schrift und anderen grafischen Darstellungsformen bereits vor Schuleintritt gemacht haben. In unserem Projekt der Universität Siegen wurde die Wirksamkeit unterschiedlicher vorschulischer Ansätze zur Prävention von Schwierigkeiten im Schriftspracherwerb untersucht, insbesondere im Blick auf Kinder mit wenig Schrifterfahrung. Im Rahmen einer Feldstudie wurden von 1997 bis 2001 drei Interventionen (BLISS als logografisches Zeichensystem vs. Einführung in die alphabetische Schrift vs. phonologische Förderung ohne Schriftbezug) im Kontrollgruppenvergleich einander gegenübergestellt. Für das BLISS- und das Schrift-Angebot wurden umfangreiche Materialpakete entwickelt; die phonologische Förderung bestand aus einer verkürzten Version des Würzburger Trainingsprogramms von Küspert/Schneider (1999). An der Förderung beteiligt waren in vier Wellen insgesamt 179 Kinder sowie 637 Kinder in verschiedenen Kontrollgruppen. In den ersten beiden Jahren fanden die Fördermaßnahmen in Kindergärten statt, im dritten und vierten in Schulkindergärten. Von 140 Kindern liegen neben vorschulischen Prä- und Posttests vollständige Nacherhebungsdaten vor, die zu drei Messzeitpunkten im Laufe des ersten Schuljahrs erhoben wurden.
Für alle drei Interventionsgruppen konnten spezifische Fördereffekte nachgewiesen werden. So kamen die phonologisch geförderten Kinder (allerdings nur diejenigen im Schulkindergarten) zu deutlich besseren Ergebnissen in den Synthese-, Analyse- und Anlautaufgaben als die beiden anderen Fördergruppen. Nach der Teilnahme an der Schrift-Förderung schnitten die betreffenden Kinder in den schriftbezogenen Aufgaben (im Schulkindergarten: signifikant) besser ab als die beiden Vergleichsgruppen. Die Kinder der BLISS-Gruppe konnten nach der Förderung einen hohen Anteil der ihnen gestellten BLISS-Aufgaben lösen; zugleich erzielten sie die besten Ergebnisse bei mehreren Aufgaben zur Struktur schriftsprachlicher Konzepte (Leserichtung, Wort- und Satzkonzept).
Beim vertikalen Transfer auf den Anfangsunterricht im Lesen und Schreiben erwies sich kein Förderprogramm als überlegen. Allerdings waren in der BLISS-Gruppe die Ausgangsbedingungen etwas ungünstiger. Insofern könnte man ein vergleichbares Leistungsniveau der BLISS-Gruppe am Ende der Untersuchung aufgrund des höheren Lernzuwachses als einen leichten Vorteil dieser Fördermaßnahme interpretieren. Deutlicher ist die Überlegenheit der BLISS-Gruppe bei Kindern mit ungünstigen Voraussetzungen, nämlich bei den unteren 25% der normal eingeschulten Kinder sowie bei den im Schulkindergarten geförderten, vom Schulbesuch zurückgestellten Kindern. Innerhalb dieser Teilgruppe erreichten die am BLISS-Angebot beteiligten Kinder trotz schlechterer Ausgangsbedingungen im Vergleich zu den anders geförderten Kindern die besten Ergebnisse beim Wörterdiktat sowie bei den Leseaufgaben im ersten Schuljahr.
In der vorliegenden Arbeit, die aufgrund des neuen Forschungsfeldes explorativen Charakter hat und nicht als Effektivitätsstudie verstanden werden sollte, werden neben Vergleichen von Fördergruppen und Teilgruppen auch individuelle Entwicklungsverläufe über 18 Monate anhand von Testergebnissen nachvollzogen. Die eigenen Erfahrungen aus dem Projekt wie auch eine Reihe weiterer Beispiele aus der aktuellen Literatur verdeutlichen, dass spielerische und kindgemäße Förderangebote zur Erleichterung des Schriftspracherwerbs in jedem Kindergarten und Schulkindergarten mit vertretbarem Aufwand möglich und lohnend sind. Dabei bieten sich - entgegen dem aktuellen Trend der Schriftspracherwerbsforschung - nicht nur phonologisch orientierte Zugangsweisen an, sondern auch solche, die vielfältige Anlässe zum Erforschen der Alphabetschrift und verwandter Notationssysteme schaffen.
Kurzfassung auf Englisch: Many children fail in beginning reading and spelling instruction. Research over the last years has focused on phonological awareness as the main prerequisite for the acquisition of literacy. The role of experiences in traditional orthography and other graphic representational forms before school entry has been neglected. Therefore our research team at Siegen University started a project in 1997. The basis for this dissertation is not an efficacy but an exploratory study. The data analysis focuses on comparisons between the intervention groups and between subgroups as well as on the development of individual children over a period of 18 months. The investigation has been designed as a quasi-experimental field study with three different types of intervention (introduction to Bliss as a logographic symbol system vs. introduction to alphabetic writing vs. phonological training without reference to alphabetic writing) plus control groups. The main goal was to find out whether experience with graphic symbols can enhance the chances for success in reading and spelling instruction, moreover, whether children with limited experience of alphabetic writing benefit from experiences with Bliss symbols prior to their school entrance. 179 preschool children half a year before school entrance participated in four waves of the interventions and 637 children in various control groups. During the first two years the treatments took place in two kindergartens, during year three and four in several "Schulkindergarten"-groups. Complete data sets from 140 children, i. e. pre- and posttests before and after the treatment plus three follow-up-tests during the first year at school have been analyzed.
Specific effects restricted to the specific treatments could be found within all three intervention groups. In contrast, none of the training groups showed superior reading or spelling results at the end of first grade. However, the starting conditions of the Bliss group prior to school entrance were less favourable. Therefore one could interpret a comparable level of achievement at the end of grade 1 as a slight advantage for the Bliss approach. Focusing on the subgroup of children within the lowest quartile (in terms of their early literacy competence), a noticeable difference between the Bliss group and the other groups could be found. Here, the children having participated in the Bliss intervention showed the best results in the word spelling and reading tasks at the end of the first school year.
One important conclusion from the project evidence is the suggestion to increase efforts to promote early literacy within preschool settings. Besides phonological training it is possible and worthwhile for preschool settings in Germany to give young children a wider range of options for discovering letters, words, graphic symbols and other forms of written language before entering school.
Keywords: Emergent Literacy, Blissymbols, Graphic Symbols, Phonological Awareness, Reading and Spelling, Learning Difficulties, Prevention.

This research study has been funded by the Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) and supported by the Ministry of Youth, School and Children of the federal state of North Rhine-Westphalia.
Lizenz: Veröffentlichtungsvertrag