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Diplomarbeit, Magisterarbeit, Masterarbeit, Staatsexamensarbeit zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:hbz:467-8454
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‚Ripleys Erben’ – Zur Marginalisierung weiblichen Heldentums : die Rolle der Frau zwischen Überzeichnung, Domestizierung und Bestrafung im US-amerikanischen Science-Fiction-Film seit 1979

Dukowski, Lisa

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SWD-Schlagwörter: Science-Fiction-Film , USA , Frau , Geschlechterrolle
Institut: (ohne Institutsbezeichnung)
DDC-Sachgruppe: Öffentliche Darbietungen, Film, Rundfunk
GHBS-Notation: KNMF = Film und Frau
Dokumentart: Diplomarbeit, Magisterarbeit, Masterarbeit, Staatsexamensarbeit
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2014
Publikationsdatum: 18.03.2015
Kurzfassung auf Deutsch: Mit dem Science-Fiction-Film Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt entwarf Ridley Scott 1979 ein für die damalige Zeit geradezu utopisch anmutendes filmisches Szenario der absoluten Gleichstellung zwischen den Geschlechtern. Seine Heldin (die Weltraumpilotin Ellen Ripley) ist stark, intelligent, entscheidungsfähig unter Druck und bei der Erfüllung ihrer Mission zu keinem Zeitpunkt auf die Hilfe des ‚starken’ Geschlechts angewiesen. Im Gegenteil, am Ende kann sich Ripley gegen sämtliche ihrer männlichen Kollegen durchsetzen und gilt damit heute als erste ernst zu nehmende Actionheldin der Filmgeschichte. Ihre revolutionäre Inszenierung beeinflusste die Wahrnehmung weiblicher Rollenmuster und Identitäten innerhalb traditionell männlich verstandener Genres wie dem Science-Fiction-, Horror- oder Actionfilm grundlegend. Von nun an verfügten Frauen über das Potential mehr zu sein als bloße Rettungsobjekte mit der einzigen Funktion, die Stellung des zumeist männlichen Helden noch zu unterstreichen; sie selbst konnten in dieser Folge die Heldinnen einer Geschichte werden.

Über die Bedeutung Ripleys sowie den Einfluss ihres Charakters auf die filmische Darstellung und Emanzipation der Frau ist dementsprechend viel diskutiert worden. Weitestgehend unbeantwortet blieb dabei jedoch die Frage, ob Ripleys Nachfolgerinnen die emanzipatorische ‚Qualität‘ ihres Vorbildes tatsächlich erreichen können. Neue Aktualität erhielt eben jene Fragestellung mit der Veröffentlichung eines Alien-Prequels im Jahr 2012. In den inzwischen über drei Jahrzehnten nach dem Erscheinen des ersten Alien-Films sind zahlreiche Sequels sowie Crossover-Produktionen entstanden, doch erst bei Prometheus – Dunkle Zeichen übernahm abermals Ridley Scott die Aufgabe des Regisseurs. Als Prequel besitzt der Film naturgemäß das Potential, die Bedeutung von Ripleys Charakter und damit das Verständnis der gesamten Reihe infrage zu stellen. Zu klären bleibt an dieser Stelle allerdings, ob es wirklich in Scotts Absicht liegt, eine andersgeartete Auslegung der Alien-Reihe zu provozieren oder ob er die zukunftsweisende Idealvorstellung von einst erneut bekräftigen möchte.

Wie noch zu zeigen sein wird, scheint Scott den Glauben an die von ihm in den 1970er-Jahren entworfene Utopie der absoluten Gleichberechtigung in der Tat bis heute nicht verloren zu haben, inszeniert er Prometheus – Dunkle Zeichen doch als die eigentliche Geburtsstunde seiner weiblichen Kämpferfigur. Im Alien-Prequel tritt diese in Gestalt der Archäologin Elizabeth Shaw auf. Angetrieben durch äußere Umstände entwickelt Shaw im Verlauf der Handlung erstaunliche emanzipatorische Kräfte, die sie über die Filme hinweg geradewegs an Ripley weiterreicht. Ohne Zweifel hat Scott ihre Figur als direkte Vorgängerin Ripleys angelegt. Folglich hält der Regisseur nicht nur weiterhin an seinem Idealbild fest, er verleiht diesem noch Nachdruck. In einem zweiten Schritt entsteht dadurch unweigerlich die Frage nach Ripleys eigenen Nachfolgerinnen. Ist es ihr gleichermaßen wie Shaw gelungen, die in ihrem Charakter verankerte Stärke an die nächsten, durch sie inspirierten Generationen weiblicher Heldinnen zu vererben? Konnte sich die filmische Emanzipation der Frau über Prometheus – Dunkle Zeichen sowie die Alien-Filme und damit auch über die Figur Ripleys hinaus durchsetzen?

Zur Erörterung dieser Frage gilt es, die Charakterzeichnung von weiblichen Hauptfiguren in US-amerikanischen Science-Fiction-Filmen nach der Ära Ellen Ripleys, sprich nach dem vierten und letzten Teil der Alien-Reihe von 1997, Alien – Die Wiedergeburt, näher zu betrachten. Folgende grundsätzliche Fragestellungen sollen dabei im Fokus des Interesses liegen: Wie verhält sich die filmische Auseinandersetzung mit besagten Protagonistinnen und ihren Rollen? Welche narrativen und visuellen Darstellungsmittel werden für die Beschreibung ihrer Persönlichkeiten gefunden? Welche Muster, Zeichen und Motive? Gibt es vielleicht ein Set von immer wiederkehrenden Klischees und Stereotypen in Bezug auf die Charakterisierung weiblicher Science-Fiction-/Horror-/Actionheldinnen? Wie sind die Macht- und Herrschaftsverhältnisse zwischen den Geschlechtern gestaltet? Werden die Frauen als dem Mann ebenbürtig präsentiert oder fällt die Inszenierung negativ für sie aus? Welche direkten oder indirekten Aussagen werden damit über das Emanzipationsstreben der Frau getroffen? Konnte sich Scotts Utopie zur filmischen Realität erheben oder ist die durch Ripley angestoßene filmische Emanzipation der Frau letztlich doch nur eine Illusion? Sämtliche dieser Fragen sollen im Rahmen der vorliegenden Arbeit ergründet werden, um schlussendlich eine Antwort darauf zu finden, ob es sich bei den dargestellten Heldinnen um tatsächlich erstarkte und nachhaltig emanzipierte Charaktere handelt, wie es bei ihrem Vorbild der Fall ist (mit Fokus auf Ripleys Inszenierung innerhalb des ersten Alien-Teils), oder ob dies nur oberflächlich betrachtet den Anschein macht.
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