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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:hbz:467-2306
URL: http://dokumentix.ub.uni-siegen.de/opus/volltexte/2006/230/


Istanbul: kulturelle (Re)Konstruktionen und mediale Inszenierungen im Frankreich des 19. und 20. Jahrhunderts

Olcay, Tijen

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Reisen , Istanbul , Wahrnehmung
Institut: (Ohne Institutsbezeichnung)
Fakultät: Fachbereich 3, Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaften
DDC-Sachgruppe: Französische Literatur
GHBS-Notation: EYU = Historiographie. Reiseliteratur
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 15.05.2001
Erstellungsjahr: 2001
Publikationsdatum: 09.10.2006
Kurzfassung auf Deutsch: Im 19. Jahrhundert, als die industrielle Revolution im Westen die Natur der Großstädte
grundlegend änderte und aus ihnen ein anonymes und gleichgültiges ‘Wesen’ machte, wurde den
Städten außerhalb der Grenzen des technisch fortgeschrittenen Lebensraumes eine neue
Aufmerksamkeit zugewendet: Diese fernen Orte wurden als ein Spielraum verstanden und erlebt,
wo die Stadt dem Reisenden gegenüber als ein verführerisches ‘Wesen’ hervortrat. Die Zunahme
von Reisen aus dem Westen veränderte aber auch die exotische Kultur dieser Städte, die bald der
Versuchung, das glänzende materielle Reichtum nachzuahmen, nicht widerstehen konnten. Durch
diese Versuche – als ‘Modernisierung’ bekannt – wurden die ursprünglichen Identitäten radikal in
Frage gestellt. So eine Großstadt, ein „zerstückelter Raum distinktiver Zeichen“ (Baudrillard), ist
Istanbul.


Auf dem vielschichtigen Feld teils einander entgegengesetzten, teils miteinander eng verbundenen
Erfahrungen der Reisenden haben drei französische Autoren die Wirklichkeiten Istanbuls auf eine
besondere Weise vermittelt: Théophile Gautier mit Constantinople (1853), Pierre Loti mit Le cycle
turc (1879-1921) und Alain Robbe-Grillet mit L’Immortelle (1962; 1963), deren schriftliche
Darstellungen [Zeitungsartikel, Tagebuchaufzeichnungen, Szenenbeschreibungen] jeweils mit einer
bildlichen Darstellung [Malerei, Photographie, Film] verknüpft sind. Diese mediale
Zusammenstellung besitzt die Besonderheit, daß die Vermittlung von Stadt- bzw.
Kulturerfahrungen der genannten Künstler-Autoren die Grenzen einer gradlinigen Mimesis
überschreiten und die Möglichkeiten einer wirklichkeitsnahen Beschreibung des ‘fremden’ Objekts
[Istanbul] vervielfältigen. Die Medien, die individuell eine Stadt formulieren, werden ihrerseits zu
autonomen Vermittler und visualisieren das abwesende Objekt für den Rezipienten unabhängig von
den Fremdeindrücken der Reisenden. Infolgedessen läßt sich die hybride Identität von Istanbul im
Wandel von Perspektiven und Medien rekonstruieren, womit sich die Intermedialität
auseinandersetzt.
Kurzfassung auf Englisch: The history of the city of Istanbul has been marked bys the constant shifting of territorial power
between European States and the Ottoman Empire. With the beginning of the 19th century, Istanbul
became the West’s most important political target and the East’s most hybrid cultural center. This
thesis examines representations of Istanbul in minor works of three French travelers: Newspaper
articles by Théophile Gautier (Constantinople, 1853), journal entries by Pierre Loti (Le cycle turc,
1879-1921) and a film script by Alain Robbe-Grillet (L’Immortelle, 1962; 1963). Their writings on
Istanbul work as a means of reconstructing fantasy, experience, and memory which leave the
margin of written language and search for complementary expression within pictorial languages.
The main corpus of analysis here, the verbal description, is used in connection with painting,
photography, and film in order to determine some of the forms and characteristics in which
Istanbul manifests its own identity.


Another leading line of the thesis focuses on Edward Saïd’s argumentation in Orientalism in which
he shows that the Western image of the East is a stereotype and therefore has no value of
authenticity. This analysis tries to explain that not all ‘image’ can be underestimated as cliché:
There are certain distinctions to be made according to which images – even though adequately
generalized as cliché – have fundamental values as individual historical documents based,
unavoidably, on subjective perceptions. To this end, the work examines those individual
perceptions in different media and explores the limits of expression: What are the processes of
seeing and perceiving the ‘other’? What are the results of such encounters with what is named
‘alien’ from a distance? And, most importantly, what is the ‘reality’ of what seemed to be a
promising picturesque dreamland – Istanbul?
Lizenz: Veröffentlichtungsvertrag