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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:hbz:467-11982
URL: http://dokumentix.ub.uni-siegen.de/opus/volltexte/2017/1198/


Entwicklung eines Lebensdauervorhersagekonzepts im VHCF-Bereich auf Basis kovariater mikrostruktureller Merkmalsgrößen

Development of a fatigue life prediction concept in the very high cycle fatigue range based on covariate microstructural features

Kolyshkin, Anton

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SWD-Schlagwörter: Ermüdung bei sehr hohen Lastspielzahlen , Lebensdauer , Korngrenze , Rissbildung , Rissausbreitung
Freie Schlagwörter (Deutsch): Lebensdauervorhersage , Zwillingskorngrenzen , Stahl 1.4301 , Nickelbasislegierung , Aluminiumschweißnaht
Institut: Institut für Werkstofftechnik
Fakultät: Fakultät IV: Naturwissenschaftlich-Technische Fakultät
DDC-Sachgruppe: Ingenieurwissenschaften und Maschinenbau
GHBS-Notationen: ZMB = Prüfung einzelner Werkstoffe
ZML = Dynamische Festigkeitsuntersuchungen. Dauerschwingversuche. Kerbschlagversuche
Dokumentart: Dissertation
Schriftenreihe: Siegener werkstoffkundliche Berichte
Bandnummer: 15
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 30.06.2017
Erstellungsjahr: 2016
Publikationsdatum: 19.12.2017
Kurzfassung auf Deutsch: Die Vorhersage der Lebensdauer von metallischen Werkstoffen im Bereich sehr hoher Lastspielzahlen (engl.: Very High Cycle Fatigue, kurz: VHCF) stellt eine große Herausforderung für die Werkstoffwissenschaft dar. Die neuesten Untersuchungen zeigen, dass für viele metallische Werkstoffe keine Dauerfestigkeitsgrenze bei 107 Lastspielen vorliegt. Darüber hinaus deutet eine große Streuung der Ergebnisse darauf hin, dass nicht nur die Größe der Beanspruchung sondern auch mikrostrukturelle Heterogenitäten wie z. B. Korngrenzentyp, -größenverteilung, Einschlussgröße usw. eine große Bedeutung im VHCF-Bereich haben. Da die Wirkung der mikrostrukturellen Faktoren zufällig ist und mit Abnahme der Beanspruchung bzw. beim Übergang vom HCF- zum VHCF-Bereich ausgeprägter wird, ist die Untersuchung der mikrostrukturellen Schädigungsmechanismen zur Entwicklung eines sicheren Lebensdauervorsagenkonzepts im VHCF-Bereich notwendig.
In der vorliegenden Arbeit wird der Zusammenhang zwischen der Werkstoffqualität in Bezug auf die Größenverteilung und räumliche Verteilung von Defekten und der Größe und Position der bruchinitiierenden Defekte bzw. der entsprechenden Lebensdauer der Ermüdungsproben im VHCF-Bereich untersucht. Zu diesem Zweck wurden Ermüdungsversuche an Proben aus drei Referenzwerkstoffen bzw. -zuständen zweier nach H. Mughrabi (2006) unterschiedlicher Werkstoffgruppen mit Aufklärung der typischen Rissinitiierungsorte und Schädigungsmechanismen durchgeführt. Untersucht wurden die Nickelbasis-Superlegierung Nimonic 80A (Werkstoffgruppe I), der metastabile austenitische Edelstahl 1.4301 mit einem hohen verformungsinduzierten Martensitvolumenanteil sowie eine Schweißverbindung von Aluminiumblechen aus EN AW-6082 T651 (Werkstoffgruppe II). Der Einfluss der typischen für die untersuchten Werkstoffe bruchrelevanten Defekte wurde mit entsprechenden Parametern modelliert. Die Spannungskonzentration an bruchrelevanten Zwillings- und regulären Korngrenzen in Nimonic 80A wird mit einem Missorientierungsfaktor von Blochwitz et al. (1997) bzw. einem entwickelten Rissinitiierungsparameter quantifiziert. Der Einfluss der Größe und Position der fremdartigen Defekte in der Werkstoffgruppe II wurde mit einem Spannungsintensitätsfaktor unter Berücksichtigung der Spannungsverteilung in den Ermüdungsproben abgeschätzt. Die Untersuchung der Verteilung bruchrelevanter Parameter in einzelnen Proben hat gezeigt, dass die Rissinitiierung bevorzugt an Defekten mit Maximalwerten der definierten Parameter stattfindet. Basierend auf den Ergebnissen aus den Ermüdungsversuchen wurde die beobachtete Abhängigkeit der bruchrelevanten Parameter und der entsprechenden Lastspielzahl bis zum Versagen bzw. der Rissinitiierung modelliert.
Die Analyse und statistische Modellierung der bestimmten schädigungsrelevanten Defekte wurde auf Basis der metallographischen Untersuchungen aller Werkstoffe im Lieferungszustand durchgeführt. Mit Hilfe der Extremwertstatistik wurden die Größenverteilung und ggf. die räumliche Verteilung der größeren Defekte in metallographischen Proben modelliert, um sie als Basis zur Abschätzung der Größe der bruchrelevanten Parameter in Ermüdungsproben zu nutzen. Die Lebensdauer unterschiedlicher Ermüdungsproben wurde auf Basis der modellierten bruchrelevanten Parameter vorhergesagt und sowohl mit eigenen Ergebnissen als auch mit Ergebnissen aus der Literatur verglichen. Die Übereinstimmung der experimentellen und rechnerischen Ergebnisse, sowie die Übertragbarkeit der entwickelten Methode auf andere Werkstoffe werden am Ende dieser Arbeit diskutiert.
Kurzfassung auf Englisch: The prediction of fatigue life of metallic materials in the very high cycle fatigue (VHCF) regime is still a challenge for material science. Recent studies show that a true durability limit does not exist for many metallic materials and fatigue failures can occur even after 107 loading cycles. Moreover, the huge scatter of experimental results at low stress amplitudes relates to a strong influence of microstructural heterogeneities such as varying grain boundary character, distribution of grain size, inclusion size etc., which together with the applied stress amplitude determine fatigue life. The influence of the microstructure has a probabilistic character and increases the scatter band width in the area of VHCF up to three decades for the SN-curve, thus impeding the application of a reliable fatigue life prediction concept by means of traditional statistical approaches and requiring a detailed investigation of the relevant fatigue damage mechanisms.
In the present work the dependence between the size and space distribution of defects relating to the material quality and the size and location of failure initiation defects in fatigue specimens correlating with their fatigue lives in the VHCF-range was investigated. For this purpose fatigue tests with clarification of typical crack initiation sites and damage mechanisms were carried out. The investigations were made for three reference materials that belong to different material types introduced by H. Mughrabi (2006). A nickel-based superalloy Nimonic 80A (material type I), a metastable austenitic stainless steel 1.4301 with a high deformation-induced martensite volume fraction as well as a welding joint of aluminium sheets from EN AW-6082 T651 (material type II) were investigated. The effect of typical damage-relevant defects for the investigated materials was modeled by corresponding failure-relevant parameters. The stress concentration at crack initiation twin boundaries as well as regular grain boundaries in Nimonic 80A was quantified using a misorientation factor by Blochwitz et al. (1997) and a developed crack initiation parameter. The effect of size and location of extrinsic defects in the type-II-materials was estimated by means of a stress intensity factor with consideration of the local stress at defects. The investigation of distribution of failure-relevant parameters in the single specimens showed that crack initiation predominately takes place at defects with the maximum values of the defined parameter. Using the fatigue test results the observed dependence between the failure-relevant parameters and corresponding numbers of cycle until failure or crack initiation was modeled.
The analysis and statistical modeling of the defined damage-relevant defects was carried out on the basis of metallographic investigation of the reference materials in as-received condition. Using the extreme value statistics the size and (if necessary) space distributions of the larger values of defined damage-relevant defects was modeled in metallographic samples. These models were used in order to evaluate the value of failure-relevant parameters in fatigue specimens. The fatigue life of different specimens was predicted on the basis of evaluated failure-relevant parameters and compared with own as well as adopted fatigue test results. The agreement of experimental and modeling results as well as application of the used method on other alloys were discussed in the conclusions.
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