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Diplomarbeit, Magisterarbeit, Masterarbeit, Staatsexamensarbeit zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:hbz:467-10834
URL: http://dokumentix.ub.uni-siegen.de/opus/volltexte/2017/1083/


Grundzüge und Grundpositionen der sozialen Erkenntnistheorie

Main features and basic positions of social epistemology

Nähr, Sebastian

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SWD-Schlagwörter: Kommunitarismus , Erkenntnistheorie , Goldman, Alvin I.
Freie Schlagwörter (Deutsch): Kusch, Martin , soziale Erkenntnistheorie , Testimonie , Epistemologie
Freie Schlagwörter (Englisch): communitarism , knowledge , social epistemology
Institut: (ohne Institutsbezeichnung)
DDC-Sachgruppe: Philosophie
GHBS-Notationen: HLT = Einzelfragen
HNT = Sozialphilosophie. Gesellschaftsphilosophie
Dokumentart: Diplomarbeit, Magisterarbeit, Masterarbeit, Staatsexamensarbeit
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2016
Publikationsdatum: 25.01.2017
Kurzfassung auf Deutsch: Im Ausgang der individualistischen Philosophie des Begründers der modernen Erkenntnistheorie, Rene Descartes, wurden einzelne Themenfelder und Fragen der Erkenntnistheorie in der Regel aus einer Perspektive eines sozial-isolierten Individuums heraus behandelt.

Soziale Bedingungen von Erkenntnis rückten erst – im Zuge der sozialen Wende in der Erkenntnistheorie – ab den 1970er Jahren zunehmend ins Zentrum des philosophischen Interesses. Im Laufe der sich intensivierenden Diskussion etablierte sich schließlich ein neuer Zweig der philosophischen Erkenntnistheorie: Die Soziale Erkenntnistheorie.

Innerhalb der Sozialen Erkenntnistheorie gibt es - nach einer Terminologie Alvin Goldmans - vor allem zwei Lager: Das Lager des Revisionismus und das des Konservativismus oder des Expansionismus. Revisionistische Ansätze stellen die fundamentalen Begriffe und Projekte der klassischen individualistischen Erkenntnistheorie grundlegend in Frage – das Soziale der Sozialen Erkenntnistheorie führt für sie zu epistemisch-relativistischen Positionen bzgl. Wissen und Rechtfertigung und die Soziale Erkenntnistheorie wird als legitimes Nachfolgeprojekt der gescheiterten klassischen Erkenntnistheorie verstanden. Konservative oder expansionistische Ansätze wollen dagegen die individualistische Untersuchung von Wissen und Rechtfertigung der klassischen Erkenntnistheorie um die Untersuchung ihrer sozialen Bedingungen ergänzen – das Soziale der Sozialen Erkenntnistheorie führt für sie nicht zu epistemisch-relativistischen Positionen und die Soziale Erkenntnistheorie wird als eine Erweiterung der klassischen Erkenntnistheorie verstanden.

Die Arbeit „Grundzüge und Grundpositionen der Sozialen Erkenntnistheorie“ geht nun insbesondere der Frage nach, welcher dieser zwei Ansätze plausibler ist. Dafür werden die Theorien zweier wichtiger Vertreter der jeweiligen Strömung, Martin Kuschs kommunitaristische Erkenntnistheorie aus „Knowledge by Agreement“ und Alvin Goldmans veritistische soziale Erkenntnistheorie aus „Knowledge in a Social World“, kritisch diskutiert und untersucht, welche der beiden Theorien zu überzeugen vermag.

Diese kritische Diskussion legt es nahe, dass Goldmans Theorie in ihrer prinzipiellen Tendenz plausibler ist als die Kuschs. Dies und die Tatsache, dass einige der in „Grundzüge und Grundpositionen der Sozialen Erkenntnistheorie“ formulierten Probleme von Kuschs Theorie auch auf andere revisionistische Ansätze zutreffen mögen, lässt es schließlich plausibel erscheinen, dass konservativ-expansionistische Ansätze in der Sozialen Erkenntnistheorie vielversprechender sind als revisionistische. Auf Basis dieser Einsicht werden dann in „Grundzüge und Grundpositionen der Sozialen Erkenntnistheorie“ noch Überlegungen über die Ausgestaltung eines prinzipiellen konservativ-expansionistischen Ansatzes in der Sozialen Erkenntnistheorie angestellt und darauf aufbauend eine Skizze möglicher Forschungsfelder der Sozialen Erkenntnistheorie entworfen.
Kurzfassung auf Englisch: On the basis of the individualistic philosophy of the founder of modern epistemology, Rene Descartes, the topics and questions of epistemology were normally treated from the perspective of a single and social isolated individual.

Social conditions of knowledge first really came to the fore of philosophical investigation within the so called "social turn in epistemology" during the 1970s. On this basis and in the course of a intensifying philosophical discourse a new branch of epistemology was finally established: The Social Epistemology.

Within this new branch there are - following a terminology of Alvin Goldman - especially two basic positions: Revisionism and preservationism or expansionism. Revisionistic positions thereby challenge fundamental concepts and projects of classic individualistic epistemology - for those positions the social of Social Epistemology leads to epistemic-relativistic positions concerning knowledge and justification and Social Epistemology is understood as the legitimate follow-up project of failed classic epistemology. Preservationistic and expansionistic positions seek to supplement the individualistic perspective on knowledge and justification of classic epistemology with the investigation of social conditions of knowledge and justification in contrast - for those positions the social of Social Epistemology does not lead to epistemic-relativistic positions concerning knowledge and justification and Social Epistemology is understood as a extension of classic epistemology.

The paper "Main Features And Basic Positions Of Social Epistemology" investigates foremost which of these two basic positions is more feasible. Therefore two theories of leading representatives of these two positions, Martin Kusch’s communitarian epistemology of "Knowledge by Agreement" and Alvin Goldman’s veritistic social epistemology of "Knowledge in a Social World", are examined.

It is shown that Goldman’s theory is in principal more feasible than Kusch’s, which leads - together with the fact that some of the problems of Kusch’s theory discussed in "Main Features And Basic Positions Of Social Epistemology" might also be applied to other revisionistic positions - to the conclusion that preservationistic-expansionistic positions are in principle more plausible than revisionistic ones. On this basis then the paper suggests a possible design of a preservationistic-expansionistic account and sketches problems and questions as well as areas of reasearch of Social Epistemology so understood.
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